incl. einer Stellungnahme von Robert Wagner
1) Keine bekannte Spezies der
Gattung Rentier kann fliegen. ABER es gibt 300.000 Spezies von lebenden
Organismen, die noch klassifiziert werden muessen, und obwohl es sich dabei
haupsaechlich Insekten und Bakterien handelt, schliesst dies nicht mit letzter
Sicherheit fliegende Rentiere aus, die nur der Weihnachtsmann bisher gesehen
hat.
Du
gibst hier also selber zu, daß es fliegende Rentier geben könnte.
Eine gute Einsicht. Aber der Weihnachtsmann benötigt prinzipiell nur
1 (ein einziges !!) herkömmliches Rentier. Na ja, ein besonders schönes
sollte es aus Präsentationsgründen schon sein, und auf den Weihnachtsmann
muß es schon hören, sonst kommt der ja wer weiß wo an.
Wie der Weihnachtsmann alles mit einem Rentier schafft, fragst Du dich nun
sicherlich. Dazu mehr im Folgenden.
2) Es gibt 2 Milliarden Kinder (Menschen
unter 18) auf der Welt. ABER da der Weihnachtsmann (scheinbar) keine Moslems,
Hindu, Juden und Buddhisten beliefert, reduziert sich seine Arbeit auf etwa
15 % der Gesamtzahl - 378 Millionen Kinder (laut Volkszaehlungsbuero). Bei
einer durchschnittlichen Kinderzahl von 3,5 pro Haushalt ergibt das 91,8 Millionen
Haeuser. Wir nehmen an, dass in jedem Haus mindestens ein braves Kind lebt.
Die Rechnung, die Du hier aufstellst,
kapiere ich hinten und vorne nicht. Ich fange mal vorne an: 2 Milliarden
Kinder ist noch klar. 15% von 2 Millarden sind aber keine 378 Millionen.
Mein Taschenrechner spuckt hier eine Zahl von 300 Millionen aus, also erheblich
weniger Kinder (26% Fehler). Des weitern ergibt 378 / 3.5 =
108 und nicht - wie Du behauptest - 91,8 Millionen Häuser
(15% Fehler). So kann die weitere Zeitenberechnung nicht stimmen.
Desweiteren mußt du mal mit jemandem reden, der sich mit Kindern auskennt.
Es gibt soviel mir bisher bekannt ist keine halben Kinder. (0,8 Häuser
übrigens schon) Kinder bekommt man nur im ganzen Stücken, soviel
ich weiß. Wenn man sagt, jeder vierte Haushalt hat 4 Kinder, und die
restlichen Haushalte haben je 3 Kinder, so gibt es nur ganze Kinder, und
es gibt keine Probleme. Allerdings müßten die Häuserzahlen
somit an die neuen Begebenheiten angepaßt werden.
3) Der Weihnachtsmann hat einen
31-Stunden-Weihnachtstag, bedingt durch die verschiedenen Zeitzonen, wenn
er von Osten nach Westen reist (was logisch erscheint). Damit ergeben sich
822,6 Besuche pro Sekunde. Somit hat der Weihnachtsmann fuer jeden christlichen
Haushalt mit braven Kindern 1/1000 Sekunde Zeit fuer seine Arbeit: Parken,
aus dem Schlitten springen, den Schornstein runterklettern, die Socken fuellen,
die uebrigen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum verteilen, alle uebriggebliebenen
Reste des Weihnachtsessens vertilgen, den Schornstein wieder raufklettern
und zum naechsten Haus fliegen.
Angenommen, dass jeder dieser 91,8 Millionen Stops gleichmaessig auf die ganze
Erde verteilt sind (was natuerlich, wie wir wissen, nicht stimmt, aber als
Berechnungsgrundlage akzeptieren wir dies), erhalten wir nunmehr 1,3 km Entfernung
von Haushalt zu Haushalt, eine Gesamtentfernung von 120,8 Millionen km, nicht
mitgerechnet die Unterbrechungen fuer das, was jeder von uns mindestens einmal
in 31 Stunden tun muss, plus Essen usw.
Das bedeutet, dass der Schlitten des Weihnachtsmannes mit 1040 km pro Sekunde
fliegt, also der 3.000-fachen Schallgeschwindigkeit. Zum Vergleich: das schnellste
von Menschen gebaute Fahrzeug auf der Erde, der Ulysses Space Probe, faehrt
mit laecherlichen 43,8 km pro Sekunde. Ein gewoehnliches Rentier schafft hoechstens
24 km pro STUNDE.
Die Zeitberechnung kann aus den
oben genannten Gründen nicht richtig sein, aber egal - es wurde sowieso
ein wichtiger Faktor vergessen. Welcher? Du weißt es wirklich nicht?
Du mußt in höheren Dimensionen denken .
Nimm dabei an, die vierte Dimension sei die Zeit, so wirst du feststellen,
der Weihnachtsmann kann sich zum Verteilen der Geschenke soviel Zeit lassen,
wie er will. Das Rentier ist mit ca. 20 km/h auch schnell genug, so daß
es hier keine weiteren Probleme geben sollte.
Daß die Berechnung mit der Zeit stimmt, läßt sich auch
an empirischen Untersuchungen zeigen.
Natürlich ist der Weihnachtsmann um Weihnachten rum extrem beschäftigt,
so daß das mit den "Zeitsprüngen" nicht immer ganz klappt. Hast
du als Kind niemals bemerkt, daß die Zeit vor der Bescherung
extrem langsam vergeht ? Jetzt vergeht die Zeit bis zu den Ferien ja auch
extrem langsam. Na siehst Du!! Du mußt alles in der "Zeitdimension"
berechnen.
4) Die Ladung des Schlittens fuehrt
zu einem weiteren interessanten Effekt. Angenommen, jedes Kind bekommt nicht
mehr als ein mittelgrosses Lego-Set (etwa 1 kg), dann hat der Schlitten ein
Gewicht von 378.000 Tonnen geladen, nicht gerechnet den Weihnachtsmann, der
uebereinstimmend als uebergewichtig beschrieben wird.
Ein gewoehnliches Rentier kann nicht mehr als 175 kg ziehen. Selbst bei der
Annahme, dass ein "fliegendes Rentier" (siehe Punkt 1) das ZEHNFACHE normale
Gewicht ziehen kann, braucht man fuer den Schlitten nicht acht oder vielleicht
neun Rentiere. Man braucht 216.000 Rentiere. Das erhoeht das Gewicht - den
Schlitten selbstnoch nicht einmal eingerechnet - auf 410.400 Tonnen. Nochmals
zum Vergleich: das ist mehr als das vierfache Gewicht der Queen Elizabeth.
Hier gibt es grundsätzlich
auch keine Probleme, siehe Erklärung zu Punkt 3 (Zeit ist unbegrenzt,
also kann der Weihnachtsmann beliebig oft hin und her fahren.)
Selbst wenn der Weihnachtsmann alles auf einmal mitnimmt, funktioniert die
Sache. Du weißt ja sicherlich, daß der Weihnachtsmann von seinem
Chef eine gute Ausrüstung bekommnen hat. Darunter befindet sich selbstverständlich
ein Anti-Gravitations-Generator. Das Gewicht spielt somit keine Rolle, und
jedes beliebige Rentier läßt sich hiermit zum Fliegen anregen
(siehe Punkt 1). Auch ist ein Rentier für die gesamte Last ausreichend.
5) 410.400 Tonnen bei einer Geschwindigkeit
von 1040 km/s erzeugt einen ungeheuren Luftwiderstand - dadurch werden die
Rentiere aufgeheizt, genauso wie ein Raumschiff, das wieder in die Erdatmosphaere
eintritt. Das vorderste Paar Rentiere muss dadurch 16,6 TRILLIONEN Joule Energie
absorbieren. Pro Sekunde. Jedes. Anders ausgedrueckt: sie
werden praktisch augenblicklich in Flammen aufgehen, das naechste Paar Rentiere
wird dem Luftwiderstand preisgegeben, und es wird ein ohrenbetaeubender Knall
erzeugt.
Das gesamte Team von Rentieren wird innerhalb von 5 Tausendstel Sekunden vaporisiert.
Der Weihnachtsmann wird waehrenddessen einer Beschleunigung von der Groesse
der 17.500-fachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Ein 120 kg schwerer Weihnachtsmann
(was der Beschreibung nach laecherlich wenig sein muss) wuerde an das Ende
seines Schlittens genagelt - mit einer Kraft von 20,6 Millionen Newton.
Also manchmal glaube ich, du willst
gar nicht, daß es den Weihnachtmann gibt! Zu diesem Problem ist die
Lösung auch nicht weiter schwer. Der gesamte Weihnachtstransport wird
im Vakuum duchgeführt. Die Lebewesen bekommen selbstverständlich
Sauerstoffflaschen, die kurz vor Erreichen des Zieles versteckt werden,
so daß diese nicht weiter auffallen.
Selbstverständlich wird auch die "Vakuumglocke" aus extrem hitzebeständigem
Material in ein sicheres Versteck gebracht.
Damit kommen wir zu dem Schluss:
WENN der Weihnachtsmann
irgendwann einmal die Geschenke gebracht hat, ist er heute tot.
Natürlich
gibt es den Weihnachtsmann, wie du soeben erfahren hast. Wie willst Du
denn sonst Deinen Kinder mal erklären, woher die ganzen Geschenke
zu Weihnachten kommen ? HÄ ? Kannst du mir das mal sagen ? Und übrigens:
Wer bringt mir dann meine Geschenke?
Ein Problem habe ich bei der ganzen Sache allerdings doch noch.
Nehmen wir mal an, Deine Zahlen stimmen, und nehmen wir weiter an, jedes
Geschenk hätte die Ausmaße von 15 x 15 x 15 cm, dann wäre
das Gesamtvolumen des Weihnachtstransporters 1.275.750 m3. Ordnet man
die Pakete nun in
einem Würfel an, so hätte dieser eine Kantenlänge von ca.
108,5m. Ein so großes Gefährt samt dazugehöriger "Vakuumglocke"
dürfte eigentlich nicht unbemerkt bleiben.
Einige Leute behaupten ja, sie hätten den Weihnachtsmann schon einmal
mit seinem Schlitten gesehen.
Ich werde über dieses Problem noch nachdenken.
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